Die Hörzentrale über „Fred am Tell Halaf“

Fred, der wissbegierige Sohn eines Archäologen, stolpert nach „Fred im Land der Skythen“ nun in sein zweites großes Abenteuer. „Fred am Tell Halaf“ heißt das neue Hörspiel von Birge Tetzner, welches parallel zur Sonderausstellung des Vorderasiatischen Museums „Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf“ entstanden ist. Die Geschichte ist speziell für Kinder konzipiert und gibt einen besonderen Einblick in eine längst vergangene Zeit, als Max von Oppenheim den Tell Halaf im fernen Syrien entdeckte. Das Hörspiel tritt somit die Nachfolge von „Fred im Land der Skythen an“, welches ursprünglich als Einzelhörspiel gedacht war. Mit Erscheinen der neuen Folge änderte sich jedoch auch das Coverdesign des Vorgängerhörspiels und die beiden Hörspiele erfreuen nun im Partnerlook die Hörerschaft. Dies erweckt den Anschein, als dass es in Zukunft vielleicht noch das ein oder andere „Fred“-Abenteuer geben wird.

Zurück aber zum vorliegenden Hörspielabenteuer. Nachdem Fred im Land der Skythen Besuch aus einer anderen Zeit bekommen hat, erlebt der Junge diesmal selbst eine aufregende Zeitreise. Fred ist mit ins ferne Mesopotamien gereist, wo sein Vater die Ausgrabungen am Tell Halaf leitet. Bei einer Erkundungstour macht Fred plötzlich Bekanntschaft mit Baron Max von Oppenheim, der 1899 auf dem Tell Halaf Überreste der aramäischen Stadt Guzana entdeckte. Fred ist verblüfft, denn Baron Oppenheim ist bereits lange Tod. Und dann befindet sich Fred plötzlich selbst auf Zeitreise und lernt den Nomadenjungen Sayid kennen, mit dem er einen aufregenden Tag verlebt. Doch gelingt es Fred wieder, in seine richtige Zeit und zu seinem Vater zurückzukehren?

Wie im ersten Hörspiel, so bleibt Birge Tetzner dem Thema Zeitreise treu. Trotzdem ist „Fred am Tell Halaf“ eine völlig neue Geschichte und ähnelt kaum seinem Vorgänger. Das Abenteuer, in welches Fred hier stolpert, ist sogar noch etwas ausgefallener und verrückter. Der Unterhaltungsfaktor kommt also nicht zu kurz. Doch natürlich soll man beim Hören ja auch neue Dinge erfahren, über die Archäologie im Allgemeinen und Max von Oppenheim und seine Entdeckung in Syrien im Speziellen. Diese Mischung aus Abenteuer und Wissensvermittlung ist Birge Tetzner auch hier wieder gut gelungen. Nur manchmal sind die erzählten und erklärten Passagen (vor allem zum Anfang von Freds Vater) etwas zu ausführlich geraten. Dies führt dazu, dass das Gesprochene nicht mehr nach einem Dialog klingt, sondern einem Vortrag gleicht. Diese Tatsache nimmt dem stimmigen Hörspiel etwas den Fluss. Und auch sonst muss ich ehrlicherweise sagen, dass mir die vorliegende Folge nicht ganz so gut gefallen hat wie die alte, was ich aber mit dem Inhalt des Hörspiels begründe.

Gut gelungen finde ich dafür die Umsetzung mit all ihren Geräuschen und Musikuntermalungen. Das Hörspiel klingt authentisch, und durch die vielen verschiedenen Geräusche sehr lebendig. Meine Lieblingsszene hier ist die im Italienischen Restaurant. Der lustige Ober mit italienischem Akzent und obendrein die Parallelen zwischen einer Lasagne und einem Tell fand ich sehr einfallsreich.

Auch an den Sprechern ist nichts auszusetzen. Erzähler Harry Kühn führt munter durch die Handlung und Remo Schulze als Fred bzw. Tino Blazejewski als Vater gefällt mir gut. Vielleicht klingt Remo Schulze etwas zu erwachsen in seiner Rolle. Denn manchmal hatte ich den Eindruck, Vater und Sohn wären eher gute Freunde. In der Rolle des Max von Oppenheim ist Michael Berndt zu hören. Dieser spricht seine Rolle voller Elan und Hingabe, sodass man ihn gerne einen Tick zurückschrauben wollte. Aber das sind alles nur Kleinigkeiten, die der Handlung keinen Abbruch tun.

Im inneren des Booklets finden sich noch kurze Informationen zu Max von Oppenheim und den Hintergründen seiner Entdeckung. Gemeinsam mit dem Hörspiel bekommen hier kleine und große Hörer eine schöne Geschichte geboten und eine große Portion an Wissen. Leider reicht „Fred am Tell Halaf“ nicht ganz an das Vorgängerhörspiel heran, weiß aber doch zu überzeugen und ich freue mich schon auf die nächste Reise in die Vergangenheit.

Anke Bokelberg, Die Hörzentrale >>

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